Min tid i den lille storbyen Oslo

29Oktober
2013

Tønsberg & Winteranfang

Kaum hatte meine Schwester das Land verlassen, wurde es spürbar kälter und ich machte mich innerlich schon auf die ersten Schneefälle gefasst. Die blieben allerdings bis heute noch aus. Trist, grau und regnerisch war dann das Wetter an diesem Dienstag, bot aber dennoch einen interessanteren Anblick als das, was Frau Ewa Wapinski im Unterricht anstellte. Ein Glück war dies die letzte Stunde mit ihr. Ich hätte sie keine weitere ausgehalten.

Am Folgetag begannen dann die ersten ernsthaften Planungen mit Winfried für einen Ausflug nach Tønsberg, Heimat von Zeromancer. Und für mich deshalb natürlich Pflichtprogramm. Wir hatten uns schon längst für den kommenden Samstag entschieden und jetzt war es an mir, ein bisschen Organisatorisches zu regeln. Winfried versprach mir einfach überall hin zu folgen.

Für den nächsten Tag, Donnerstag, war ich mit Miho zu einem weiteren gemeinsamen Koch-Nachmittag verabredet. Diesmal sollte das bei ihr in Sogn stattfinden. Wir trafen uns also in der Innenstadt, gingen einkaufen und erweiterten ein bisschen meinen Kulturbegriff. Nudeln mit Gemüse mal auf japanische Art, schmeckte wirklich gut. Miho war zudem sehr schockiert darüber, dass ich die meisten Dinge, die sie mir im Asiatischen Supermarkt gezeigt hat, gar nicht kannte. Nach Hause ging ich auch erst nach Sonnenuntergang, der nun mittlerweile schon etwas früher eintrat. Im Dunkeln zur T-Bane, und von der Station aus bis zum Wohnheim... Ich weiß, dass meine Mama das bestimmt nicht gerne hört. Aber ansonsten könnte ich hier bald nicht mehr vor die Tür. ;-)

Auch wenn meine Schwester mir Kaffeepulver und eine kleine Kaffemühle mitgebracht hatte, gehört die Coffee Hour freitags weiterhin zum Pflichtprogramm. Davor die zwei Wochen war sie aufgrund des Oktoberfests leider ausgefallen. (Oktoberfest in Oslo... hab ich irgendwas verpasst!?) Dort waren auch, was für ein Zufall, Miho und Winfried, sodass die anderthalb Stunden, die noch vor Schluss übrig waren, viel zu schnell umgingen.

Am Samstag war es dann endlich soweit. Ich war natürlich überpünktlich vor 12 Uhr Abfahrtszeit am Busterminal und machte schon per SMS tüchtig Stress, weil Winfried noch nicht da war. Er möge mir verzeihen. Lief immerhin trotzdem alles glatt. Wir saßen uns nach ganz vorne, sodass wir bei den anderthalb Stunden Fahrt eine prima Aussicht hatten. Lohnt sich hier auch. Als wir angekommen waren, fiel es mir erst einmal schwer zu entscheiden, wie viele Lagen Klamotten nötig sein würden. War doch etwas kälter als gedacht, zudem sehr bewölkt. Aber da es dennoch ziemlich windstill blieb, fraß sich die Kälte immerhin nicht durch die Klamotten. Eigentlich ideal.

Direkt von der Bahnhofsstation aus, bei der wir raus gelassen wurden, sah man schon das Wahrzeichen der Stadt, den Schloßberg. Zu Norwegisch: Slottsfjellet. Ich hatte mich vorher ein bisschen schlau gemacht und gelesen, dass Tønsberg laut der Saga-Überlieferungen die älteste Stadt Norwegens sei und bereits vor 871 gegründet würde. Auch das im Vikingskiphuset in Oslo ausgestellte, vollständig erhaltene Wikingerschiff wurde in Tønsberg gefunden. Auf dem Schloßberg befand sich ehemals, wie der Name schon verrät, eine Königsresidenz, von der heute nur noch Ruinen übrig sind. Abgesehen von dem Schloßberg-Turm der 1888 errichtet wurde und an das 1000jährige Stadtjubiläum erinnern soll. Mal ein bisschen Geschichte meinerseits. Kommt nicht oft vor. ;-)

Winfried war so vorausschauend gewesen, einen Stadtplan auf seinem iPad zu laden, sodass wir immerhin nicht völlig verloren dastehen würden. Auch wenn Tønsberg mit etwas über 40.000 Einwohnern nicht groß ist, wäre mir das ein bisschen zu kryptisch gewesen. Trotzdem folgten wir erst einmal einem Straßenschild, welches die „Turistinformasjon“ ankündigte. Als wir nach einer Weile noch keine solche entdeckt hatten, machten wir uns halt ohne auf den Weg. Der Schloßberg war immerhin nicht zu verfehlen und somit unser erster Anhaltspunkt. Von dort oben hat man auch eine schöne Aussicht auf die Stadt, auch wenn der Himmel leider etwas grau war.

Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass wir das vorgezogen haben und nach dem Abstieg einen kleinen Abstecher in die Domkirche machten. Dort saß übrigens eine sehr einsam aussehende Frau, die für die Besucher zuständig war und eine Strichliste führte... Immerhin sieben Leute mit uns waren heute schon da gewesen. Sie freute sich scheinbar über jeden einzelnen davon, fragte uns, wo wir denn her kämen und warum wir diese Stadt besuchen. Und sie versuchte kein einziges Mal ins Englische zu wechseln. Danke.

Danach gingen wir dann mehr in den eigentlichen Stadtkern hinein. Auf dem Marktplatz war gut was los. Es gab einen Flohmarkt und der Duft von Waffeln und anderen Gebäcken war extrem verführerisch. Wir widerstanden irgendwie der Versuchung. Oder vielleicht vergaß ich die Versuchung auch einfach nur, denn plötzlich lief Alex, Sänger von Zeromancer, an uns vorbei. Für einen Moment lang starrte ich nur fassungslos, eine Stimme in meinem Kopf sagte: „Neeeiiin, so viel Zufall gibt es nicht.“ Im nächsten Augenblick fing ich auch schon an zu stammeln und zu gestikulieren. Schnell wieder zusammengerissen (nun ja, äußerlich) und ihm hinterher. Natürlich war er nicht alleine, was für mich gleich wieder ein Fall von „Du kannst nicht einfach dazwischen platzen und unterbrechen“ war. Anstatt das zu tun, wartete ich also wie ein irrer Fan (hah...guter Witz...) vor dem Laden, in dem er mit seiner Stieftochter (?) verschwunden war und zwar bis sie wieder heraus kommen würden. Ich glaube, Winfried hatte seinen Spaß mit mir.

Am Ende war dann, wie immer, alles halb so wild. Alex ist auch im normalen Leben ein total lieber Kerl und blieb geduldig stehen für ein Foto und ein paar Worte. Eigentlich hatte ich dann nach einer knappen Stunde Aufenthalt in Tønsberg schon alles gesehen. Besser ging nicht.

Wir bleiben natürlich trotzdem noch eine ganze Weile und sahen uns relativ planlos in der Stadt um. Klein und beschaulich, aber recht hübsch. Die Hafenzeile ist vor allem nicht schlecht und bei schönem Wetter, wenn die Cafés besucht sind, kann ich mir das glatt noch besser vorstellen. Und die Bibliothek ist einen Besuch wert. Genügend Zeit für einen Kakao in einem netten kleinen Café beim Marktplatz nahmen wir uns auch, denn da musste ich über Winfrieds iPad endlich meine Begeisterung kundtun und Gina schreiben. ;-)

Zuletzt suchten wir noch den nach einem Seigmen-Album benannten Club „Total“, was sich ohne Stadtplan als ein bisschen knifflig herausstellte. Nicht dass dieser Club besonders malerisch wäre oder in einer schönen Ecke der Stadt liegt. Welcher Live-Club tut das schon? Aber es ging um das Prinzip. Ohne mal gesehen zu haben, wo ich eventuell mal Zeromancer (hoffnungsvoll wollte ich schon Seigmen schreiben) live erlebe, konnte ich nicht nach Hause fahren.

Während der Rückfahrt wurde es dunkel. Winfried versuchte trotzdem tapfer im Zwielicht seine Hausaufgaben zu erledigen. Ich begnügte mich mit Musik und freute mich über einen gelungenen Tag.

Vergleichsweise wenig spektakulär waren dafür die folgenden Tage. Ich könnte fast behaupten mir ist zwischendurch sogar langweilig gewesen. Am Montag schrie mich mein Zimmer geradezu an, dass ich seit Janina hier gewesen war nicht mehr geputzt hatte, und auch die Wäsche stapelte sich. Mir blieb also nichts anderes übrig...

Abends saß ich dann gemütlich zusammen in der Küche mit Isabel, die mein Versuchskaninchen für einen Text ist, den ich für die Uni einreichen muss. Ja, mir ist mittlerweile aufgefallen, dass ich tatsächlich auch als Studentin hier bin, die Abgabetermine hat. Mit Kaffee und Nutella-Brot bewaffnet machte ich mir Notizen für eine Analyse ihrer Aussprache im Norwegischen. War unerwartet witzig. Auch wenn das Nutella definitiv das Beste des Abends war.

Im Anschluss darauf war dann ungewohnt viel Unterricht, eine Transkription und das erste Essay fällig. Zwei weitere folgen noch, aber ich ruhte mich heute (immer noch der 29.) ein bisschen auf meinen Lorbeeren aus. Erst am nächsten Samstag passierte wieder Nennenswerteres. Zum einen sollte in dieser Nacht die Uhr eine Stunde zurückgestellt werden, was im Anbetracht der Tatsache, dass es hier allmählich schon sehr früh dunkel wurde, dann doch ein Ereignis war. Das Ende vom Lied: ab jetzt ist um 17 Uhr draußen alles dunkel. Cool. :) Trotzdem bin ich froh, dass ich ab Anfang Oktober begonnen habe, regelmäßig Vitamin-D Tabletten zu schlucken. Soll gehen Trägheit helfen.

Zum anderen wurde aus meinem Vorhaben mir einen Tee zu machen unerwartet eine kleine Küchenparty. Unser Slowene, Klemen, hatte Besuch aus der Heimat. Dieser hatte Wodka aus dem Duty Free besorgt, Klemen hatte noch eine Menge Bier von einer Oktoberfest-Party letzte Woche (in unserer Küche, aber ich war mit Janina verhindert). Isabel war auch dort und ich konnte nach mehrmaligem Auffordern nicht mehr Nein sagen und habe dann doch ein Bier angenommen. Das erste Bier seit Monaten. Wow. Ich habe in der Hinsicht nicht so viel verpasst, glaube ich.

Bei dem Wodka weigerte ich mich zunächst noch, mehr aus Höflichkeit als aus Unwillen. Irgendwann war es damit aber auch vorbei. Isabel war leider schon zu einer Party eingeladen und blieb nicht mehr lange. Dafür kam kurz darauf Amin mit hinzu, wurde ebenso überrascht wie ich, und mit einem Freund Klemens, diesmal ein Norweger, war die Runde dann vollständig.

Aus „Ich trinke kurz ein Bier mit“ wurde „Ich sitze ein paar Stunden mit meinen Nachbarn, plus Besuch in der Küche und bekomme Wodka ausgegeben“. Ein herrlicher witziger Abend. Die Einladung noch mit in einen Club zu kommen, lehnte ich allerdings in weiser Voraussicht ab. Ich war schon nach diesen drei Gläsern Wodka mit Cola nicht mehr nüchtern. Umso tiefer war dafür der Schlaf.

Der sehr verregnete Sonntag darauf wurde dann für die Uni-Pflichten genutzt. Als es am nächsten Tag wieder sonniger wurde, ließ ich das Essay kurzerhand liegen und machte einen Spaziergang. Das war dringend nötig für meine gute Laune. Ich hatte zu viel Zeit in diesen vier Wänden verbracht. Mit neuem Elan wurden die Pflichten dann anschließend auch beendet. Übrigens ist jetzt auch der Weg zum Schloss wieder offen! Heute fiel der Grammatik-Kurs aus, und eine zweite extrem schlaflose Nacht in Folge überredete mich dazu, auch den Linguistik-Kurs heute sein zu lassen. Was soll ich auch einen Vortrag darüber halten, was ich vorhabe zu schreiben, wenn der Text bereits fertig ist? Sinnlos. Da konnte ich die Zeit sinnvoller nutzen, indem ich diesen Blog endlich wieder aktualisiere.

Der Oktober ist fast vorbei. Bald bin ich schon drei Monate hier. Ich liebe Oslo nach wie vor und fühle mich hier wohl, doch allmählich wächst die Sehnsucht nach der Heimat. Ich ertappe mich immer öfter dabei, dass ich auf den Kalender gucke und überlege, wie lange noch bis zum Rückflug. Demnach bin ich doch sehr froh, dass ich mich gegen ein ganzes Jahr entschieden habe.

Hallo, Tønsberg! Slottsfjelltårnet So sah das also mal aus... Beweisfoto :) der Abstieg Domkirche Alex :) ein Museum Spaziergang durch Tønsberg WIKINGER!!! Pinguine! :D Winfried & ich :) der Hafen Flohmarkt, der leider schon wieder abgebaut wird das Total ;) die tradtionelle Kleidung dieser Gegend, auch Bunad genannt Dieser Platz ist am 17. Mai voller Menschen. Schloss Blick auf die Karl Johans gate

14Oktober
2013

Besuch aus der Heimat

Es ist genau das geschehen, was ich von Anfang an befürchtet hatte: Ich beginne diesen Blog zu vernachlässigen. Um das zu verhindern, werde ich jetzt in meinem Kalender und meinem Kopf kramen, um die vergangenen Wochen in mindestens zwei Einträgen zusammenzufassen. Es ist jetzt der 29. Oktober, früher Mittag. Egal, was das Datum des Eintrags behauptet. Das kann ich nämlich manipulieren.

Also, los geht's:

Erst einen Tag im Verzug bekam ich vom enthusiastischen Lieder mitsingen, wahlweise brüllen, spröde und rissige Lippen. Selbst Zitronenlimonade und Orangensaft brannte daran. Kein schöner Anblick. Nicht dass an diesem Tag irgendetwas Spannendes passiert sei, aber das wollte ich nicht unerwähnt lassen. Was dieses Auslandssemester (neben so viel anderem) an Positiven mit sich bringt, ist Folgendes: ein Kreativschub. Ich habe lange nicht mehr so viel geschrieben und war mit dem Ergebnis auch noch zufrieden.

Ebenfalls bemerkenswert an diesem Montag, den 7. Oktober, war, dass ich zum allerersten Mal richtig genervt von der Lautstärke aus einem der Nebenzimmer war und davon wach gehalten wurde. Wessen Fernseher das auch war, in diesem Moment wünschte ich mir, er würde explodieren. Jedoch kann ich mich nicht wirklich beschweren. Einmal ist bekanntlich kein Mal.

Am folgenden Tag stellte ich endgültig fest, dass es drei Menschen auf dieser Uni gibt, die mir wirklich die Laune vermiesen können. Die eine ist die arrogante Besserwisserin Ruth, die in Wirklichkeit nichts drauf hat. Die zweite ist unsere Vertretungs-Dozentin im Grammatik-Kurs Ewa Wapinski, die in jeder Hinsicht nicht zum Aushalten ist. Der letzte ist mein Linguistik-Dozent Harald, der bekanntlich auch alles besser weiß und mir einfach durch und durch unsympathisch ist. Doch ich dazu übergangen zu lächeln und mir gleichzeitig zu denken: „Friss Mist.“ Man kann Menschen eben nur vor den Kopf gucken. Das gilt auch für mich.

Was meine Laune oben hielt, war die Aussicht, am nächsten Abend endlich meine Schwester wiederzusehen und ein paar schöne Tage mit ihr zu verbringen. Darüber hinaus fiel an diesem Mittwoch mein Kurs aus, sodass ich Zeit für eine Führung hinter die Kulissen er Oper hatte. Gleichzeitig übte die Master-Klasse im Foyer und man konnte sich nach Lust und Laune hinsetzen und zuschauen, wie zukünftige Opernsänger/innen trainierten. Eindrucksvoll!

Nur leider kommt es meistens anders als geplant. Gerade in Hamburg angekommen, wurde Janinas Anschlussflug abgesagt und es dauerte eine ganze Weile, bis wir wussten, wie es jetzt weitergehen sollte. Das Ende vom Lied: Lufthansa bezahlte Hotel, Taxi und Abendessen. Für den nächsten Morgen sollte es einen Ersatzflug geben. Dementsprechend ausgeschlafen war Janina natürlich am nächsten Tag, und ich auch war alles andere als das blühende Leben. In einem Anfall von Frustration war die Baileys-Flasche endgültig geleert worden.

Umso schöner waren dafür die Tage, in denen Janina dann hier war. Obgleich die Zeit dementsprechend schnell umging. Nachdem es noch die ganze Nacht durch wie verrückt vom Himmel geschüttet hatte, befürchtete ich bereits, dass der Ausflug für Janina ziemlich ins Wasser fallen würde. Sie kam auch im Regen morgens um 9 Uhr am Hauptbahnhof an. Doch ein paar Stunden später klärte es sich allmählich auf. Ich nutzte das aus, um ihr den Vigelandspark zu zeigen, der in lauter bunten Herbstfarben noch viel schöner aussah als im Sommer. Für eine ausgewachsene Stadttour war sie zu fertig, also verschoben wir das auf den nächsten Tag. Nach einem Mittagessen nahmen wir noch die T-Bane Linie 1 hoch zum Frognerseteren, einem Aussichtspunkt so hoch oben, dass man einer wundervolle Sicht über die gesamte Stadt hat. So bekam Janina immerhin schon mal einen Eindruck von der Natur um Oslo herum und wie die Stadt sich in das Gesamtbild fügt. Sobald man nämlich mitten in den Straßen ist, ist einem gar nicht mehr bewusst, wie viele Berge und Wälder einen in Wirklichkeit umgeben.

Abends begleitete Amin uns in Amatøren, wo wir bei der Quiz-Night erbarmungslos verloren. (Aber mal ehrlich, wüsstet ihr die Antwort auf: „Was bedeutet Logiozomechanophobie?“) Ein bisschen schläfrig wurden wir nach einer Weile auch, sodass wir uns verhältnismäßig früh auf den Weg machten. Natürlich lief in genau diesem Moment The Cures „Lullaby“ an. Da wäre ich ja fast geblieben.

Tags drauf spielten Janina und ich dann verkehrte Welt: ich übernahm den Stadtführer, sie lief mir hinterher. Ich bestand darauf, dass wir uns noch a,b und c ansehen müssten, sie folgte gehorsam. Normalerweise ist es anders herum. Wir hatten lange geschlafen, sodass ein fünf Stunden Gewaltmarsch überhaupt erst möglich wurde. Wir starteten ab Oslo Sentralstasjon die Karl Johans gate hoch, vorbei am Stortinget und dann in die Aula der alten Universität hinein. Dank der Munch-Ausstellung durfte man sich dort in Ruhe die Malereien ansehen. Die Aula ist nämlich ringsum mit Gemälden von Edvard Munch verziert. Beeindruckend. Danach einen Abstecher in den Schlosspark, der Weg zum Schluss war leider immer noch gesperrt. Nach einer Wanderung einmal komplett um das Schloss herum ging es zurück am Nationaltheater vorbei, zum Rathaus... und wie ich dann herausfinden durfte, kann man auch umsonst ins Rathaus hinein. So sahen wir dann auch den riesigen Saal, in welchem der Nobelfriedenspreis verliehen wird. Inzwischen strahlte die Sonne übrigens so hell, dass durch die Fenster mehr Licht kam, als meine Kamera handhaben kann. Schade. Die Aussicht von diesen Fenstern auf den Hafen und den Fjord ist übrigens traumhaft. Kann ich nur leider nicht beweisen.

Pflichtprogramm war danach natürlich der Hafen und Aker Brygge, inklusive meinem liebsten Aussichtspunkt auf den Fjord. Danach wanderten wir Richtung Akershus Festung, erlebten den Start eines Heißluftballons und wanderten dann durch das herbstlich gelb-grüne Innere der Festung. Frei nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss!“ hatte ich mir die Oper natürlich als krönender Abschluss gedacht. Dank der Führung konnte ich ihr auch ein wenig darüber erzählen, was der Architekt sich bei der Konstruktion gedacht hatte, und was die verschiedenen Materialien sind und darstellen sollen. Beispielsweise hab ich mit meiner Vermutung über Carrara-Marmor ins Schwarze getroffen. Kurz gefasst: ich gab mein Bestes, um sie genauso sehr von diesem Bauwerk zu begeistern, wie ich es bin.

Hungrig nach diesem langen Marsch gönnten wir uns eine Pizza aus einem Café bei mir um die Ecke. Seit langem wieder Thunfisch-Pizza. Ich war im Himmel. Dank einer Wespe, die noch nicht kapiert hatte, dass ihre Jahreszeit vorüber ist, wurde uns auch ein bisschen Action beschert. Das Vieh wollte zum Frecken nicht mehr zum Fenster hinaus. Amin war auch nicht da, um den Helden zu spielen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als panisch eine Strategie zu entwickeln... als sie endlich gelungen war, war der Rest der Pizza merklich kühler.

Am nächsten Morgen hatten wir Dank Likör 43 mit Milch auch wieder ein bisschen zu lange geschlafen, als dass unsere Tagesplanung noch funktioniert hätte. Janina wollte gerne die Munch-Ausstellung sehen und so machten wir uns auf dem Weg zur Nationalgallerie. Dort angekommen machte meine mangelnde Begeisterung sich schlagartig bemerkbar. Wir waren nicht die einzigen mit derselben Idee. Da das Anstehen allein mehr als zwei Stunden dauerte, entschieden wir einstimmig, das Munch-Museum links liegen zu lassen. Genug Engagement für Kultur für einen Tag. Immerhin lohnte sich die Ausstellung und ich muss zugeben, dass ich doch für Malerei zu begeistern bin. Zumindest wenn ich mit den Motiven etwas anfangen und daraus meine eigenen Schlüsse ziehen kann. Expressionismus scheint eindeutig eher mein Fall zu sein als Barock und Renaissance. Sorry, Janina. ;-)

Dank einer Spende von Papa war abends noch ein Cocktail im Café Sør im Zentrum fällig. Eine sehr atmosphärische, schicke Bar mit sagenhaft leckeren Cocktails. Ich probierte Vanilla Wood aus: Brombeere (wenn ich mich richtig erinnere) und Minzblätter zerstampft, darüber Vanillesirup und Rum. Viel Rum. Dann kräftig schütteln. Hmmm... Macht sogar meinem Liebling White Russian Konkurrenz.

Samstag sah weniger spaßig aus. Wir waren eine gefühlte Ewigkeit damit beschäftigt, Janinas Bachelor-Arbeit zu lesen und Fehler zu korrigieren. Doch ich hatte ihr es versprochen. Nach 20 Seiten war Schluss für diesen Tag und ein bisschen Frischluft dringend nötig. Also machten wir einen Abstecher in den Botanischen Garten, bevor es dann abends mit Miho ins Blå ging.

Ach, übrigens: die Tickets für Ljungblut sind bestellt. Wichtig.

Am Tag von Janinas Abreise blieb uns dann nichts anderes übrig als die letzten 15 Seiten durch zu ackern. Dann musste ich noch ihren Koffer packen, weil mehr als die Hälfte aller Klamotten von mir waren. Sie schleppte im Endeffekt wesentlich mehr Zeug mit nach Hause als hin zu mir. Nach dem Essen war es dann auch schon an der Zeit, dass ich sie zurück zum Bahnhof brachte und wir uns verabschieden mussten. Nur für weitere zwei Monate, trotzdem war dann das Heimweh auf einmal ganz groß.

Demnach war ich auch sehr froh, dass Mama und Papa vorschlugen zu skypen, b evor sie los zum Flughafen müssten, um Janina abzuholen. Das hat dann das schlimmste Heimweh besänftigt. Außerdem bleibt anzumerken: Ab diesem Tag war genau die Hälfte der Zeit vorüber. Zwei Monate und fünf Tage. Seltsames Gefühl.

Vigelandsparken Vigelandsparken Vigelandsparken Janina :) Vigelandsparken Vigelandsparken Vigelandsparken wir :) Mit Äffchen im Hintergrund auf dem Weg zum Frognerseteren. Frognerseteren diese Norweger... Janina :) Amin, der Quiz-Master ;) In vino veritas... oh ja! Stadttour. im Trubel der Karl Johans gate beim Stortinget die Aula der Universität im Rathaus Janina im Rathaus :) Herbstsonne Blick auf den Fjord :) Aker Brygge Gouda!? Akershus Festung Akershus Festung und das Beste zum Schluss ;) auf dem Operndach im Botanischen Garten

05Oktober
2013

Elektrostat

Was mit weitaus weniger Vorfreude begann, sollte meinen Besuch in der Oper jedoch noch um Längen toppen. Gegen 9 Uhr klingelte mein Wecker – unverschämt früh für einen Samstag, vor allem wenn man die Nacht davor lange wach lag. So wusste ich immerhin, oder konnte mir vorstellen, dass der Regen dort draußen anscheinend schon seit fast 12 Stunden anhielt, denn der hatte mir schon beim Film am Vorabend Gesellschaft geleistet.

Ein Blick auf zwei verschiedene Wetterberichte legte immerhin die Vermutung nahe, dass er sich gegen Mittag erledigt haben sollte. Man weiß ja nie, aber hier erlaubte ich mir einfach mal Optimismus.

Nach dem Essen gab es eine Geburtstags-SMS an meine Schwester, die leider dieses Jahr ohne mich feiern musste. Doch dafür kommt sie mich in ein paar Tagen bereits besuchen! :)

Mein Besuch für den heutigen Tag, Ina aus Hamburg, schrieb mir dann auch, dass sie gegen 11 Uhr am Hauptbahnhof ankommen würde. Obwohl ich alles im Voraus erledigt hatte, schaffte ich es dann doch noch die Zeit zu vergessen und in Stress zu geraten. War aber dennoch pünktlich am vereinbarten Treffpunkt.

Wir beide hatten uns noch nie getroffen, verstanden uns aber auf Anhieb und machten uns zu Fuß durch den Regen auf den Weg zu mir. So sparte sie sich immerhin die Kosten für die T-bane. Kaum waren wir in meinem Zimmer angekommen und hatten uns eine Weile unterhalten, hörte der Regen dann auch endgültig auf. Also machten wir uns auf einen kleinen Spaziergang durch Oslo, bei dem nach und nach immer mehr die Sonne hervor kam. Man konnte sogar irgendwann die Jacke ausziehen und auch der Schal verschwand in meiner Tasche.

Schließlich gingen wir zurück zum Mittagessen und verbrachten noch den Rest der Zeit mit guter Musik in meinem Zimmer. Kurz vor offiziellem Beginn des Festivals machten wir uns auf den Weg. Ein Fußmarsch von etwa 30 Minuten, laut Google Maps. Zu meiner Überraschung kannte ich den Weg bereits von einem meiner Abendspaziergänge mit Amin.

Der Club, Månefisken, liegt direkt bei einem Fluss, sodass man bei trockenem Wetter auch schön draußen auf der Terrasse sitzen kann. Dort blieben wir allerdings nicht lange, denn drinnen gaben wir beide unsere Jacken an der Garderobe ab und sobald es wirklich dunkel war, wurde es auch zu kalt um nur im T-Shirt nach draußen zu gehen.

Der Club bestand aus mehreren Räumen mit zwei, jeweils ziemlich kleinen Bühnen. Zusätzlich ein Café-Bereich mit Tischen und Stühlen, wahlweise Sesseln. Dann noch ein weiterer großer Raum neben der Hauptbühne, in dem der Merchandise aufgebaut war und man sich an Stehtische stellen oder auf die wackeligen Barhocker setzen konnte. Alles in allem ein wirklich cooler Laden.

Die Besucherzahl blieb lange Zeit dürftig. Anscheinend hatte Ina Recht damit, dass es in Norwegen nicht üblich ist, lange vor dem eigentlichen Event aufzutauchen. Also rechnete ich mit den anderen Zeromancer-Fans auch erst in einigen Stunden. Wir hatten immerhin noch fast sechs davon, bevor Zeromancer auftreten sollten. Um Mitternacht.

Langweilig wurde mir dennoch nicht. Wir sahen uns erst einmal in Ruhe um, ich lernte Sandra kennen, die den Merchandise für Zeromancer handhabt... und ich machte mir, wie immer, einen Spaß daraus die Leute zu beobachten. Die Elektro / Gothic Szene in Norwegen ist nicht zu vergleichen mit der bei uns zu Hause. Wesentlich kleiner, das ist offensichtlich... aber auch Outfit-technisch sieht man hier mehr Unfälle als ich von heimatlichen Festivals gewohnt bin. Das kann wirklich unterhaltsam sein. ;-)

Musikalisch gesehen war es auch eher... anders. Als gegen acht Uhr, natürlich mit Verspätung, die erste Band Kite anfing, wusste ich schon nach kürzester Zeit, dass ich mich damit eher nicht anfreunden konnte. Ganz gut organisiert fand ich es allerdings, dass nach jeder Band im selben Raum ein DJ auflegte, während dann auf der anderen Bühne live gespielt wurde. So war es theoretisch möglich sich alles anzusehen, wenn man wollte.

Ina und ich waren dann zumindest neugierig genug, auch einmal zur kleineren Bühne zu gehen und zu schauen, was sich hinter dem Namen Schnodig wohl verbirgt. Ich bin mir bis jetzt noch nicht sicher, ob ich diese seltsame Band lustig oder schlecht fand. Aber sie haben mir zumindest einen Ohrwurm verpasst, den ich immer noch nicht losgeworden bin. Leider.

Etwas besser wurde die Sache dann mit Agent Side Grinder, die auf der Hauptbühne auftraten. Die ersten Songs klangen sogar richtig vielversprechend und erinnerten stark an Depeche Mode. Merkwürdigerweise wurde es allerdings von Lied zu Lied unspektakulärer, sodass wir dann auch bald lieber wieder eine Runde mit Sandra quatschten. Ungefähr zu dem Zeitpunkt kamen auch endlich die Mitglieder von Zeromancer an, noch mit Taschen behangen. Kim (Bassist) grüßte sofort und ich war mal wieder ganz hin und weg, dass ich mittlerweile erkannt werde. Lorry (Keyboard) hielt kurz darauf mal kurz an und unterhielt sich mit uns. Er entschuldigte sich aber bald, er sei so nervös und müsse ein wenig herum laufen. :)

Besonders lange war es nicht mehr bis zum ersehnten Ereignis. Nur noch eine Band sollte vorher spielen, die ich mir aber gar nicht mehr ansah. Da hatte ich schon zu viele Hummeln im Hintern. Im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung, denn so traf ich gleich mehrere Leute aus dem Zeromancer-Fanclub, die ich bisher nur durch Facebook kannte. Ein total sympathischer und verrückter Haufen, ich mochte sie auf Anhieb. :)

Erst um halb 12 ging ich dann auch mal Richtung Bühne. So sehr auf dem letzten Drücker tue ich das sonst nie. Da aber bei allen vorigen Bands sich der Raum immer erst kurz vor Beginn etwas füllte, hatte ich keine Eile. Allerdings war dann die erste Reihe doch schon besetzt. Egal. Ich stand hinter zwei Frauen, die kleiner waren als ich, und konnte alles sehen.

Übrigens gab es keinen Backstage-Bereich hinter der Bühne. Es gab zwar einen, aber von dort aus mussten die Künstler durch die gesamte Halle am Publikum vorbei gehen, um auf die Bühne zu kommen. Das fand ich schon seltsam, aber auch witzig.

Kurz vor Beginn fiel mir beinahe die Kinnlade herunter. Ich warf nur zufällig einen Blick nach rechts zum Eingang, gerade rechtzeitig um zu sehen, dass Marius Roth Christensen soeben zur Tür herein gekommen war. (Falls ihr euch nicht mehr erinnert, der Tenor-Sänger.) Ich hatte nur noch Zeit meiner Begeisterung bei Ina Luft zu machen, dann ging es auch schon los. Das Intro war lang und kam mir irgendwie nicht bekannt vor, obwohl ich sie diese Tour schon mehrmals gesehen habe. Asche auf mein Haupt.

Schon als die Band auf die Bühne ging, war schnell klar, dass die Stimmung schlagartig ein ganz anderes Kaliber annahm. Davon hätten die anderen Bands nur träumen können. Um mich herum standen nur Fans, die seit Jahren mit dabei sind und scheinbar von überall angereist waren. Zwei meiner neuen Bekannten sind Franzosen (von denen einer aber in Norwegen lebt), drei weitere kamen aus Schweden, und eine Russin war auf jeden Fall auch mit dabei. Sowie ein Haufen angetrunkener Norweger, die tatsächlich mit ein bisschen was intus enorm aufleben.

Es war laut. Ich ebenfalls, obwohl ich mich nicht mehr hören konnte. Ich war nach kürzester Zeit von oben bis unten durch geschwitzt. Und es machte richtig Spaß! Am besten fand ich eigentlich die Tatsache, dass um mich herum fast nur Männer standen, die eine Wahnsinnskondition hatten. Da wurde die ganze Zeit mit gebrüllt und gesprungen. Irgendwann war ich mittendrin und wundere mich heute, warum ich kaum blaue Flecken davon getragen habe.

Einem von den Schweden schlug ich im Eifer des Gefechts sein Smartphone aus der Hand. Wäre mir nicht aufgefallen, wenn da nicht plötzlich etwas Buntes und Leuchtendes vor meiner Nase zu Boden gesegelt wäre. Ich reagierte gedankenschnell und fischte das Handy wieder vom Boden auf. Ein Glück unversehrt. Dafür wurde ich zum Dank geknuddelt und hörte bestimmt dreimal ein „Thank you so much!“. Mir wurde noch nie zuvor dafür gedankt, dass ich jemanden beinahe das Handy zerstört hätte.

Die meisten, die diesen Blog lesen, werden mit den Songtiteln bestimmt nicht so viel anfangen können, deswegen halte ich mich ein wenig zurück. Ich kann nur sagen, dass die Setlist eine ganz andere war als ich erwartet hätte und gleich mehrere Juwelen aufeinander folgten. Mit „Something For The Pain“ und „God Bless The Models“ sogar zwei Stücke, die ich noch nie gesehen hatte. Da war ich natürlich völlig aus dem Häuschen.

Da Ina und ich nicht die einzigen Deutschen in der Menge waren, war Kim einmal sogar so verwirrt, dass er sich mit einem „Dankeschön!“ bedankte und kurzerhand vergaß, dass er im Heimatland war. Darauf folgte einiges Gelächter und er verteidigte sich, dass hier ja so viele Gesichter aus Deutschland seien, die er kannte. :)

Eines der Hightlights war wahrscheinlich das Depeche Mode Cover „Photographic“, bei dem ich einige Mühe hatte mir den einzigen Kerl vom Hals zu halten, der wohl auf einen richtigen Moshpit aus war. Meinen Ellbogen hat er ein paar Mal bekommen, aber ich wage zu behaupten, dass er das mit so viel Promille auch nicht mehr gespürt hat. Ich rutschte dabei unauffällig weiter zwischen meine schützende Wand aus Schweden und einem Norweger, der dann das Gröbste für mich abfing. Dafür stand ich dann so dicht an dicht mit den anderen Fans, dass ich keine andere Wahl hatte, als im gleichen Takt mit zu springen, auch wenn mir mittlerweile die Beine ziemlich weh taten. :)

Viel zu schnell war es dann wieder vorbei. Zeromancer überzogen ihre ursprünglich auf eine Stunde begrenzte Spielzeit um immerhin zehn weitere Minuten. Dann war jedoch Schluss. Schade.

Außer Atem aber völlig begeistert bedankte ich mich bei der Gruppe, mit der ich so schön feiern konnte. Einfach nur dafür, dass sie so toll waren und es mit ihnen so viel Spaß gemacht hatte. Dann wollte ich eigentlich nach etwas zu trinken suchen... und sah plötzlich, dass Marius nicht weit von uns weg stand. Im ersten Moment traute ich mich nicht, mir nur zu bewusst, wie zerstört ich aussehen musste. Ina ließ mir aber keine andere Wahl und bugsierte mich sanft aber unnachgiebig zu ihm. Im Endeffekt war es so wie immer: Ich stand eine Weile unschlüssig herum, wollte ihn nicht in einer Unterhaltung stören und irgendwann sah er mich so eindeutig fragend an, dass ich mir schon wieder blöd vorkam. Wie immer musste ich dann auch feststellen, dass Musiker auch nur Menschen, und im Regelfall sehr freundlich zu einem sind. Also überwand ich mich wenigstens zu ein bisschen Konversation und erzählte, dass ich mir kürzlich „Le Grande Macabre“ angesehen hatte. Die meisten jungen Leute gehen ja doch eher nicht in die Oper. Von genau dieser Vorführung, die letzte leider, war er auch direkt zum Elektrostat gegangen. Mein Glück.

Ich gehe selten sofort nach Ende eines Konzerts, deshalb hatte ich auch keine Eile. Wir fanden heraus, dass es umsonst Wasser gab, was uns weitere Unkosten an der Bar ersparte. Auch die Schlange an den Toiletten konnte ich umgehen, da alle anderen Wartenden Männer waren und darauf bestanden, die Frau vorzulassen. Nein, es gab keine Trennung zwischen Damen- und Herrenklos. Noch eine nette Anekdote: auf einem der Klokabinen war die Lampe kaputt... also waren zwei große Kerzen angezündet worden. Man konnte also im idyllisch flackernden Kerzenschein pinkeln. Herrlich!

Den (schönsten) Schock des Abends erlebte ich, als ich nur dumm im Weg herum stand und auf Ina wartete. Was ich nicht wusste, war, dass dieser Durchgang zum Backstage-Bereich führte. Während ich noch gedankenverloren die Tanzfläche beobachtete, tippte mir plötzlich jemand auf die Schulter. Kim. Mir wäre fast alles aus dem Gesicht gefallen. Da wurde ich auch schon in die Arme genommen. Was er mich daraufhin gefragt hat, habe ich vergessen. Ich glaube, wie es mir geht, war ein Teil davon. Er schien jedenfalls noch zu wissen, dass ich schon seit einer Weile in Oslo bin und hier mein Auslandssemester mache. Weil ich ihm das vor ein paar Monaten auf einem anderen Festival erzählt hatte. Das Gedächtnis dieses Mannes ist schon erstaunlich. Er blieb leider nicht lange, seine Frau wartete. Ich war trotzdem happy.

Und so baff, dass ich vergaß, ihn die Promo-CD seines Solo-Projekts Ljungblut unterzeichnen zu lassen. Im Nachhinein verspürte ich den argen Drang meinen Kopf gegen die Wand zu klopfen, aber na ja... eine weitere Gelegenheit bietet sich wahrscheinlich noch im Dezember.

Ina kam natürlich erst zurück, als das Beste schon vorbei war. ;-) Wir trafen aber ebenfalls noch kurz Dan (Gitarre) und Noralf (Drums)... nur Alex (Sänger) blieb unauffindbar. Der ist eigentlich so groß, dass er schwer zu übersehen ist.

Für den Rest des Abends, bevor um 3 Uhr die Schotten dicht gemacht werden würden, gesellten Ina und ich uns noch zu den anderen Fans ins Café. So verging die Zeit auch wie im Flug und ich kann nur hoffen, dass ich den ein oder anderen noch mal wiedersehen werde... bei den nächsten Konzerten.

Der Heimweg kam mir wesentlich kürzer vor als der Hinweg, auch wenn die Beine weh taten, aber mit Adrenalin im Blut läuft es sich umso schneller. Als wir dann erst irgendwann kurz vor 4 Uhr im Bett waren, war ich auch fertig. Einschlafen konnte ich trotzdem nicht so schnell. Ganz anders war das mit Ina. Die begann schon zwei Minuten nach einem „Gute Nacht“ ganz tief zu atmen. Beneidenswert.

Am nächsten Morgen rächten sich dann die Exzesse des Vortags mit heftigen Nacken- und Rückenschmerzen, sowie einem kratzigen Hals. Macht nichts. Das einzige, was ich an diesem Sonntag zustande brachte, Frühstück für uns zu machen und Ina zurück zum Bahnhof zu bringen. Den Rest der Zeit verbrachte ich unter anderem mit einem Film ganz entspannt in meinem Bett.

der Fluss neben dem Månefisken die Terasse des Månefisken Ina :) die Menschenmassen vor der ersten Band ;) Normale Fotos? Nö. Zeromancer :) Die Setlist, die leider nicht mir gehört Marius Roth Christensen und das Elend daneben bin ich

04Oktober
2013

Die Ruhe vor dem Sturm

Ich habe Recht behalten. Kaum war der neue Tag angebrochen hatte ich plötzlich die Schnauze voll vom Schlechte-Laune-schieben und nutzte das gleich mal aus, um das schöne Herbstwetter draußen zu genießen. Ein erneuter Spaziergang führte mich nicht zufällig zurück zum Shadowland, wo ich dann endlich meine Promo-CD von Ljungblut ersteigerte. In der Hoffnung, diese am kommenden Wochenende dann auch signieren lassen zu können. Der Ladenbesitzer war auch wieder sehr gesprächig.

Weiter ging es dann wieder einmal Richtung Stadtzentrum, die Karl Johans gate entlang und dann hinunter zum Hafen und Aker Brygge. Diesmal hatte ich dort wenigstens auch meine Kamera mit dabei und konnte ein paar Fotos von dieser recht schicken Wohngegend machen. Eine Wohnung mit Fjordblick... Hach, man darf doch noch träumen.

Irgendwie gelang es mir auch am selben Tag noch, diesen ätzenden Virus in meinem Computer loszuwerden. Leider weiß ich nicht mehr, wie ich das angestellt habe, sonst wäre ich besser gewappnet für den Fall, dass mir das noch einmal passiert.

Am Dienstag war ich dann auch endlich wieder in der Uni und zu meiner Begeisterung fiel der Kurs, den ich überhaupt nicht leiden kann, aus. So blieb eine Menge Freizeit, die ich ganz gut nutzen konnte... zum Schreiben. :)

An sich war die Woche nicht besonders spektakulär. Ich war am Donnerstag wieder beim Quiz-Abend im Amatøren, kann aber diesmal keinen Erfolg vermelden. Die Punktzahl und die erreichten Plätze ließen eher zu wünschen übrig. Dafür hatte ich mit Mona, Chris und Miho einen lustigen Abend. Immerhin konnte ich die Frage beantworten, wie der Schriftsteller heißt, der den gleichnamigen Roman „Amatøren“ geschrieben und eine Zeitlang selbst als Student in Sogn gelebt hat... Lars Saabye Christensen. Meinem Literaturkurs sei Dank.

Auch wenn dies hier ein sehr kurzer Eintrag wird, soll das nicht heißen, dass mir hier langweilig gewesen wäre. Es ist nur nicht mehr so spannend wie am Anfang. Ich könnte mich jetzt über das Wetter auslassen und mich freuen, dass ich einen so tollen Herbst genieße und dass ich unbedingt die ganzen bunten Bäume noch auf Bildern festhalten will, bevor es zu spät ist... Ich kann es aber auch lassen. ;-)

Was mich aber wunderte ist, dass die Vorfreude auf das Elektrostat – oder besser ausgedrückt, auf Zeromancer – sich noch in Grenzen hielt. Oder kaum vorhanden war. Nicht im negativen, sondern eher im „ich denke kaum darüber nach“ - Sinne. Was auf jeden Fall ein Indikator dafür ist, dass ich vom Gesamteindruck Oslo immer noch sehr eingenommen bin.

Aker Brygge Museum für Gegenwartskunst zur Rechten so viel zur Schwerkraft :) Ausblick auf den Fjord Wer ist denn das? ;) in den Gassen von Aker Brygge Aker Brygge Aker Brygge

29Sept
2013

Höhen und Tiefen

Nach jedem Hoch folgt bekanntlich ein Tief und leider kann ich nach meinem euphorischem Bericht über meinen Opernbesuch dieselbe Begeisterung in diesem Eintrag nicht wieder aufbringen. Viel mehr werde ich es kurz fassen, denn die letzten Tage gehören überwiegend nicht zu denen, die ich in bester Erinnerung halten werde.

Der Donnerstag nach „Le Grande Macabre“ zählte noch nicht zu jenen Tagen. An diesem Nachmittag bekam ich Besuch von Miho, mit der ich zusammen einkaufen und kochen wollte. Unser ursprünglicher Plan, Reibekuchen mit Apfelmus, scheiterte leider daran, dass wir keinen Apfelmus finden konnten und auch eine Zutat für die Reibekuchen unauffindbar blieb. Kurzerhand entwickelte ich also einen, etwas teureren, Notfallplan: Kartöffelpüree mit Lachs, so wie an dem Abend in Scotts Küche.

Es war allerdings etwas anderes das Essen selbst zubereiten zu müssen, zumal mir ein paar nützliche Utensilien wie ein Kartoffelstampfer fehlen. Improvisieren war also angesagt und am Ende gelang uns tatsächlich ein ziemlich gutes Mahl. Anschließend gingen wir zusammen auf Jagd nach einer Winterjacke im Einkaufszentrum Oslo City, da dort an diesem Tag in fast allen Geschäften 50% Rabatt herrschte. Fündig wurde ich leider doch erst auf Ebay.

Und als wäre der Kauf einer Winterjacke ein schlechtes Omen gewesen, fing ich mir am Wochenende eine ordentliche Erkältung ein. Nur dass eine Erkältung bei mir normalerweise zu einer saftigen Infektion der Nebenhöhlen ausartet. Willkommen zurück, chronische Entzündung. Ich habe dich nicht vermisst.

Da half auch meine Standard-Devise nicht: positives Zureden um den Placebo-Effekt von „Nein, ich werde nicht krank“ hervorzurufen. Ich war dann einfach krank, und zwar so richtig. Sonntag und Montag verbrachte ich fast ausschließlich in meinem Bett. Sehr dankbar war ich, als Amin am zweiten Tag meines Leidens darauf bestand für mich zu kochen. Protestiert habe ich aus Prinzip zwar trotzdem, aber er war nicht aufzuhalten. Und ich sah dann ein, dass mir das eigentlich ganz recht war. Als ich schließlich in die Küche schlich, um mir einen weiteren Tee zu holen, erwartete er mich schon mit einen Berg voll mit einem typisch iranischen Reis-Gericht (ziemlich gut), eine Schüssel mit der Spezial-Suppe seiner Oma und Joghurt als Nachspeise. Auf die Frage, ob das ernsthaft alles für mich sei, erhielt ich die erwartete Antwort.

Im Endeffekt ersparte er mir somit zwei Tage lang das Kochen. Dankeschön.

Generell bin ich sehr froh, hier anscheinend unter Leute gelandet zu sein, denen der Zustand ihrer Nachbarn nicht egal ist. Hawa hat sich mehrmals nach mir erkundigt, Isabel schrieb mir gleich, als sie von einem Ausflug zurück kam und jeder bot mir diverse Medikamente, Tee, Honig oder seine Kochkünste an.

Zur Uni schleppte ich mich allerdings nicht, auch wenn ich mich Dienstagmorgen endlich wieder halbwegs wie ein Mensch fühlte. Zum Arzt ging ich nicht und werde es tunlichst vermeiden. Da musste ich mir nur einmal die Praxisgebühren für Privatkunden ansehen. Als Austauschstudent, dessen Aufenthalt kürzer als 6 Monate ist, habe ich leider kein Recht auf Rückzahlung. Zudem kennen die meinen Krankheitsverlauf nicht, hätte also nicht viel Sinn.

Wie ich im Nachhinein erfuhr, war ich bei weitem nicht die einzige, die krank geworden ist. Isabel und Miho hat es ebenfalls erwischt. Selbst eine meiner Dozentinnen ist krank, weshalb der Unterricht, den ich am Mittwoch noch krank gefeiert hätte, so oder so ausgefallen ist.

Da es mir besser ging, entschied ich mich am Donnerstagabend zum Quiz-Abend in die Studentenbar Amatøren zu gehen. Diese ist leider auf der anderen Seite der Stadt, Teil des Studentenviertels Sogn. Dort traf ich Johanna und Mona mit ihrem Freund, der zurzeit bei ihr zu Besuch ist. Zusammen landeten wir bei dem Geschichte-Quiz auf dem letzten und den Song-erraten-Quiz auf dem ersten Platz. Freidrinks!

Nach gerade einmal einem Cider und zwei Gläsern Weißwein gingen bei mir schon alle Lichter an. Ich bin nichts mehr gewohnt. In dem Zustand machte ich mich – alleine – auf dem Weg zurück zur T-Bane Station und nach Hause. Gruselig und wenig empfehlenswert. Werde ich in Zukunft vermeiden, wenn ich kann, egal wie gering die Kriminalitätsrate in Oslo ist.

Am nächsten Morgen erwartete mich ein Rückfall meiner Erkältung. Isabel rüstete mich mit Sinupret aus und ich wage zu behaupten, dass diese tatsächlich einen großen Teil zu meiner Besserung beigetragen haben. Richtig fit bin ich immer noch nicht, aber morgen werde ich dann endlich noch mal in die Stadt gehen. Wird allmählich wieder Zeit. Genug im Zimmer gehockt und Taschentücher gestapelt.

Leider kommt ein Problem selten allein und diese Krankheitsphase wurde noch zu meiner geringeren Sorge. Mein PC machte Mucken, Fehlermeldungen hier und da. Nach einem vollständigen Scan fand mein Anti-Virus-Programm gleich zwei Trojaner. Panik. Wie viele Stunden ich damit verbracht habe, in Google nach Erfahrungsberichten zu suchen, die mir sagen, anhand welcher Symptome ich erkenne, ob mein System jetzt im Arsch ist oder nicht, weiß ich nicht. Ein komplettes Backup kommt nicht in Frage, da meine CDs mit der nötigen Installations-Software von Windows... in Deutschland sind.

Aus Panik gleich mal eine externe Festplatte bestellt, um wenigstens alle persönlichen Daten sichern zu können.

Am folgenden Tag, dem heutigen, entpuppte sich dann Amin nicht nur als Sternkoch, sondern auch als ein wenig bewandert in PC-Fragen. Zuerst hatte er jedoch keine Zeit, da mehrere seiner Freunde zum Waffelnessen kamen. Ich gesellte mich hinzu und kam somit ein wenig auf andere Gedanken. Außerdem hätte ich sonst verpasst, wie ein verrückter Amerikaner über die Regenrinne in unser Küchenfenster hinein klettert, anstatt die Tür zu benutzen. Er klettert, als Sport. Ich will hoffen, dass nicht irgendwann mal ein Einbrecher auf die Idee kommt das nachzuahmen.

Danach verbrachte Amin fast drei Stunden mit der Rettung meines Computers. Er zumindest gelang zu der Überzeugung, dass die Trojaner fort seien. Das bestätigen auch zwei weitere Scans von zwei verschiedenen Anbietern – nur um auf Nummer Sicher zu gehen. Dafür entdeckten wir per Zufall einen anderen Virus, der sich in meinem Browser eingeschlichen hat und ohne mein Zutun Einstellungen ändert. Antivirenprogramme können ihn nicht finden, manuell ließ er sich ebenfalls auf Teufel komm raus nicht entfernen, und Amin hat wirklich alles versucht. Nicht ohne Grund, denn auf seinem Laptop findet sich dasselbe Problem.

Anscheinend zerstört dieser aber nicht mein System und ich will hoffen, dass mein PC mindestens die Zeit in Oslo überlebt. Am besten noch ein paar weitere Jahre. Eine Mail an den Support von Microsoft habe ich auch schon geschickt, von der ich mir ein wenig mehr Hilfe erhoffe.

Also an alle, die diesen Eintrag lesen: Wenn ihr beim Öffnen von Chrome, Explorer, Firefox usw. feststellt, dass eure Startseite seltsamerweise qvo6.com ist und hartnäckig immer wiederkehrt, egal wie oft ihr es entfernt... dann habt ihr dasselbe Problem wie ich.

Mehr möchte ich gar nicht schreiben. Nur dass bestimmt alles wieder besser wird. Mein PC scheint wieder gut zu laufen und in den nächsten Wochen warten ein paar schöne Erlebnisse auf mich. Nach jedem Tief folgt auch wieder ein Hoch. So ist die Regel.

 

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